OCT-Kontrolle bei Sklerallinsen: Warum Kontrollen auch ohne Beschwerden wichtig sind
Eine Sklerallinse kann sich gut anfühlen, klar sehen lassen und trotzdem im Verlauf kontrollbedürftig sein. Denn sie bleibt auf dem Auge nicht völlig unverändert: Nach dem Aufsetzen sinkt sie in das weiche Bindehautgewebe ein. Dadurch kann sich der Abstand zwischen Linsenrückfläche und Hornhaut verändern.
Genau deshalb gehört die OCT-Kontrolle bei Sklerallinsen bei mir zur Anpassung und zu jeder regulären Kontrolle. Sie ergänzt die Beurteilung an der Spaltlampe um einen hochauflösenden Querschnitt. So lässt sich nachvollziehbar prüfen, wie die Linse die Hornhaut überbrückt, wie das Flüssigkeitsreservoir verteilt ist und wie sich die Auflage am Auge verhält.
Was das OCT bei einer Sklerallinse zeigt
Eine Sklerallinse liegt nicht auf der Hornhaut auf. Sie stützt sich außerhalb der Hornhaut auf der Bindehaut über der Sklera ab und überbrückt die Hornhaut mit einem Flüssigkeitsreservoir. Dieses Reservoir gleicht Unregelmäßigkeiten der Hornhaut optisch aus.
Im Vorderabschnitts-OCT werden Linse, Flüssigkeitsraum, Hornhaut und angrenzende Strukturen im Querschnitt sichtbar. Bei uns entstehen mit dem Revo-OCT 18-mm-Vorderabschnittsaufnahmen. Dadurch kann nicht nur die zentrale Überbrückung betrachtet werden. Je nach Scan und Fragestellung lassen sich auch der Bereich zum Limbus sowie Teile der Auflagezone genauer beurteilen.

Warum eine Kontrolle ohne Beschwerden sinnvoll ist
Tragekomfort und Sehschärfe sind wichtige Rückmeldungen, aber sie beschreiben nicht den gesamten Linsensitz. Eine Sklerallinse kann sich angenehm anfühlen, obwohl die Überbrückung an einer Stelle geringer geworden ist oder die Auflage lokal ungleichmäßig ist. Umgekehrt bedeutet eine einzelne auffällige Aufnahme nicht automatisch, dass die gesamte Versorgung ungeeignet ist.
Studien zeigen, dass Sklerallinsen nach dem Aufsetzen einsinken und die zentrale Clearance im Verlauf abnehmen kann. Ausmaß und zeitlicher Verlauf unterscheiden sich zwischen Augen, Linsengeometrien und Ausgangssituationen. Deshalb beurteile ich eine Linse nicht nur unmittelbar nach dem Aufsetzen, sondern auch nach einer angemessenen Tragezeit und im späteren Verlauf.
Die OCT-Aufnahme liefert dabei messbare Informationen. Sie ersetzt aber weder die Spaltlampe noch die klinische Erfahrung. Erst die Kombination zeigt, ob eine beobachtete Veränderung relevant ist und welche Anpassung gegebenenfalls sinnvoll wird.
Was bei der Kontrolle beurteilt wird
Überbrückung der Hornhaut
Die Linse soll die Hornhaut und den Limbus entsprechend der individuellen Situation überbrücken. Dabei geht es nicht um einen pauschalen Idealwert für alle Augen. Hornhautform, Linsendurchmesser, Material, Geometrie, Tragezeit und die Reaktion des Gewebes müssen gemeinsam betrachtet werden.
Auflage und Randverhalten
An der Spaltlampe kontrolliere ich die Auflage rundum: Gibt es lokale Kompression, Randabstehen, Gefäßabblassung, eine instabile Position oder eine deutliche Verschiebung? Das OCT kann ausgewählte Bereiche im Querschnitt ergänzen. Bei Bedarf kommen torische, asymmetrische oder quadrantendifferente Geometrien zum Einsatz.
Veränderungen nach Tragezeit
Eine Sklerallinse wird nicht nur im ersten Moment beurteilt. Interessant ist, wie sie sich nach mehreren Stunden verhält: Bleibt die Sehqualität stabil? Entsteht Druckgefühl? Wird das Reservoir trüb? Verändert sich die Zentrierung? Zeigt das Auge nach dem Absetzen Rötungen oder Abdrücke? Solche Beobachtungen fließen gemeinsam mit den Messdaten in die nächste Entscheidung ein.
Verlauf der Hornhaut
Bei Keratokonus, nach Crosslinking, nach Keratoplastik oder bei Hornhautnarben kann sich die Ausgangssituation verändern. Die augenärztliche Diagnostik und Behandlung bleiben Aufgabe der behandelnden Augenärztin oder des behandelnden Augenarztes. Die kontaktlinsentechnische Kontrolle zeigt, ob die vorhandene Linse weiterhin nachvollziehbar zum aktuellen Auge passt.
Wie die Anpassung bei mir abläuft
Ich arbeite mit einem Messlinsensystem. Die erste Geometrie wird anhand der vorhandenen Befunde, der Messungen und des tatsächlichen Sitzes einer Messlinse ausgewählt. Danach folgen Überrefraktion, Spaltlampenkontrolle, OCT-Aufnahmen und die Beurteilung nach Tragezeit.
Je nach Befund wird die Geometrie verändert. Nicht jedes Auge ist rotationssymmetrisch. Deshalb können asymmetrische oder quadrantendifferente Auflagezonen erforderlich sein. Ziel ist ein Linsensitz, der sich fachlich erklären, dokumentieren und im Verlauf erneut prüfen lässt.
Für eine belastbare Versorgung sind in der Regel mehrere Termine notwendig. Auch nach Abschluss der eigentlichen Anpassphase ist die Betreuung nicht beendet. Bei stabiler Situation plane ich üblicherweise Kontrolltermine im Abstand von drei Monaten, bei Beschwerden oder auffälligen Befunden früher.
Und wenn Multifokal gewünscht ist?
Eine multifokale Sklerallinse ist grundsätzlich möglich. Zuerst muss jedoch das Fernsystem zuverlässig funktionieren: Sitz, Zentrierung, Sehschärfe und Trageverhalten müssen stabil sein. Erst auf dieser Grundlage wird die multifokale Optik ergänzt und anschließend erneut am Auge geprüft.
Wann Sie früher zur Kontrolle kommen sollten
Vereinbaren Sie einen früheren Termin, wenn sich Tragezeit oder Sehqualität deutlich verändern, die Linse häufiger beschlägt, Druckstellen entstehen oder das Auge wiederholt gerötet ist. Bei plötzlicher Sehverschlechterung, starken Schmerzen, ausgeprägter Rötung, deutlicher Lichtempfindlichkeit oder einer Verletzung nehmen Sie die Linse heraus und lassen das Auge zeitnah augenärztlich beziehungsweise im Notdienst abklären.
Fazit
Die OCT-Kontrolle macht den Linsensitz nicht automatisch gut. Sie macht ihn besser nachvollziehbar. Für die individuelle Sklerallinsenanpassung zählt deshalb nicht die Technik allein, sondern die fachliche Einordnung aller Befunde am Auge.
Spaltlampe, Revo-OCT, Sehprüfung und die Rückmeldung der Trägerin oder des Trägers gehören zusammen. So entsteht keine Versorgung von der Stange, sondern eine Sklerallinse, deren Sitz und Funktion im Verlauf überprüft und bei Bedarf gezielt verändert werden können.
Sklerallinsen-Anfrage
Sie tragen bereits Sklerallinsen, haben wiederkehrende Probleme oder möchten eine bestehende Versorgung fachlich einordnen lassen? Über die strukturierte Anfrage können Sie Diagnose, bisherige Linsenversorgung, Beschwerden und vorhandene Befunde vorab zusammenfassen.
Weiterführend: Ablauf einer Sklerallinsenanpassung · Sklerallinse bei Keratokonus · Beschlagen und kurze Tragezeit · Individuelle Sklerallinsen bei komplexen Hornhäuten
Fachliche Quellen
- Macedo-de-Araújo RJ, Fadel D, Barnett M. How Can We Best Measure the Performance of Scleral Lenses? Current Insights. Clinical Optometry. 2022;14:47–65.
- Otchere H, Jones LW, Sorbara L. Effect of Time on Scleral Lens Settling and Change in Corneal Clearance. Optometry and Vision Science. 2017;94(9):908–913.
- Esen F, Toker E. Influence of Apical Clearance on Mini-Scleral Lens Settling, Clinical Performance, and Corneal Thickness Changes. Eye & Contact Lens. 2017;43(4):230–235.
- Consejo A et al. Anatomical and physiological considerations in scleral lens wear: Conjunctiva and sclera. Contact Lens and Anterior Eye. 2021;44(3):101381.