Sklerallinsen, Augeninnendruck und OCT: Was eine neue Studie zeigt

Sklerallinsen, Augeninnendruck und OCT: Was eine neue Studie zeigt

Eine 2026 veröffentlichte Studie fand bei jungen gesunden Erwachsenen vorübergehende Druckanstiege und kleine OCT-Veränderungen während acht Stunden Sklerallinsentragen. Für die Praxis ist vor allem wichtig, wie sorgfältig Risikopatienten kontrolliert werden.

Sklerallinsen können bei irregulären Hornhäuten, Keratokonus, nach Hornhautoperationen oder bei schwerer trockener Augenoberfläche eine enorme Verbesserung der Sehqualität und Verträglichkeit bringen. Gleichzeitig sitzen sie nicht wie eine weiche Kontaktlinse auf der Hornhaut, sondern überbrücken die Hornhaut und liegen auf der Bindehaut beziehungsweise Sklera auf.

Deshalb ist eine Sklerallinsenanpassung immer mehr als eine reine Stärkenbestimmung. Neben Sehschärfe und Tragekomfort gehören auch Sitz, Auflagezone, Clearance, Tragezeitverhalten und die augenärztliche Ausgangssituation zur Beurteilung.

Eine neue Studie von Dhungel und Mitarbeitenden aus dem Jahr 2026 passt genau in diese Diskussion. Sie untersuchte kurzfristig, ob das Tragen einer Sklerallinse den Augeninnendruck und die Dicke der retinalen Nervenfaserschicht beeinflussen kann.

Worum ging es in der Studie?

Die Arbeit wurde in Life veröffentlicht und untersuchte 31 gesunde junge Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von 26 Jahren. Das Studiendesign war für diese Fragestellung interessant: In einem Auge wurde eine Sklerallinse mit 16,5 Millimetern Durchmesser getragen, im anderen Auge eine weiche Kontaktlinse. Bei einem weiteren Termin wurden die Seiten getauscht.

Die Linsen wurden jeweils acht Stunden getragen. Der Augeninnendruck wurde zu mehreren Zeitpunkten gemessen: vor und nach dem Aufsetzen sowie vor und nach dem Absetzen der Linsen. Zusätzlich wurde per OCT die peripapilläre retinale Nervenfaserschicht, also die Nervenfaserschicht um den Sehnervenkopf, beurteilt.

Damit verglich die Studie nicht einfach zwei verschiedene Personengruppen, sondern nutzte die Augen derselben Teilnehmenden als kontrollierten Vergleich.

Was wurde beobachtet?

Bei den Augen mit Sklerallinse stieg der gemessene Augeninnendruck nach dem Aufsetzen deutlich an. In der Veröffentlichung wird ein Anstieg von etwa 11 auf 16 mmHg beschrieben. Dieser erhöhte Wert blieb während der achtstündigen Tragezeit bestehen und ging nach dem Absetzen wieder auf den Ausgangswert zurück.

Bei den Augen mit weicher Kontaktlinse zeigte sich kein vergleichbarer Druckanstieg.

Zusätzlich berichteten die Autoren eine kleine, statistisch signifikante Abnahme der peripapillären Nervenfaserschichtdicke während des Sklerallinsentragens. Auch diese Veränderung bildete sich nach dem Absetzen wieder zurück. Bei den weichlinsentragenden Augen wurde keine entsprechende Veränderung beobachtet.

Das klingt zunächst auffällig. Die Einordnung ist aber entscheidend.

Warum das keine Alarmmeldung ist

Die Autoren selbst betonen, dass die beobachteten OCT-Veränderungen klein waren und unterhalb publizierter Grenzen für die Messwiederholbarkeit solcher OCT-Messungen lagen. Anders gesagt: Die gemessene Veränderung war statistisch auffällig, darf aber nicht als gesicherter struktureller Schaden am Sehnerv interpretiert werden.

Außerdem wurden gesunde junge Erwachsene untersucht. Die Studie beantwortet daher nicht, was über Jahre bei Menschen mit okulärer Hypertension, frühem Glaukom, vorgeschädigtem Sehnerv oder komplexen Hornhauterkrankungen passiert.

Die Daten belegen keinen dauerhaften strukturellen Schaden. Die bessere Schlussfolgerung lautet: Sklerallinsen können kurzfristig messbare physiologische Effekte auslösen, und genau deshalb sollte die Anpassung bei Risikopatienten sorgfältig kontrolliert und augenärztlich begleitet werden.

Druckmessung bei Sklerallinsen ist nicht trivial

Ein wichtiger Punkt der Studie ist die Messmethodik. Eine Sklerallinse bedeckt die Hornhaut. Klassische Druckmessungen über die Hornhaut sind während des Tragens deshalb nicht ohne Weiteres möglich. In der Studie kamen ein transpalpebrales Messgerät und eine berührungslose Druckmessung zum Einsatz.

Die Übereinstimmung zwischen den Messmethoden war begrenzt. Das ist für die Praxis wichtig: Einzelwerte aus verschiedenen Messverfahren sollten nicht unkritisch miteinander verglichen werden. Noch schwieriger wird es, wenn nach dem Absetzen gemessen wird, denn ein Druckanstieg kann sich rasch wieder normalisieren.

Für die augenärztliche Verlaufskontrolle bedeutet das: Entscheidend ist nicht ein isolierter Messwert, sondern ein nachvollziehbares Monitoring mit geeigneter Methode, ähnlichen Messbedingungen und Blick auf den gesamten Befund.

Was bedeutet das für die Sklerallinsenanpassung?

Für die Anpasspraxis bestätigt die Studie ein Grundprinzip: Eine gut angepasste Sklerallinse wird nicht nur nach Visus und erstem Tragegefühl beurteilt.

Wichtig sind unter anderem:

  • ausreichende, aber nicht übertriebene Überbrückung der Hornhaut,
  • gleichmäßige und möglichst reizfreie Auflagezone,
  • keine lokale Kompression oder starke Gefäßabblassung,
  • Kontrolle nach realer Tragezeit und nicht nur direkt nach dem Aufsetzen,
  • Beobachtung von Rötung, Druckgefühl, Fogging oder verkürzter Tragezeit,
  • augenärztliche Einordnung bei Glaukomrisiko oder auffälligem Sehnervbefund.

Gerade bei Menschen mit bekanntem Glaukom, okulärer Hypertension oder unklarer Sehnervensituation sollte die Sklerallinsenversorgung nicht isoliert betrachtet werden. Die kontaktlinsentechnische Kontrolle und die augenärztliche Diagnostik gehören dann zusammen.

Für wen ist diese Studie besonders relevant?

Besonders interessant ist die Arbeit für drei Gruppen:

  1. Menschen, die Sklerallinsen sehr lange täglich tragen.
  2. Patientinnen und Patienten mit Keratokonus oder anderen irregulären Hornhäuten, bei denen Sklerallinsen oft über viele Jahre eingesetzt werden.
  3. Menschen mit erhöhtem Augeninnendruck, frühem Glaukom oder auffälligem OCT-Befund am Sehnerv.

Für diese Gruppen liefert die Studie keine fertige Handlungsanweisung, aber einen guten Grund, genauer hinzusehen. Das gilt vor allem dann, wenn Druckgefühl, Rötung, ein auffälliges Einsinken der Linse oder eine deutliche Gefäßreaktion unter der Auflagezone beobachtet werden.

Meine praktische Einordnung

Sklerallinsen bleiben eine sehr wertvolle Versorgungsform. Viele Augen, die mit anderen Kontaktlinsen nicht ausreichend versorgt werden können, profitieren gerade von der Überbrückung der Hornhaut und dem Flüssigkeitsreservoir.

Die Studie erinnert aber daran, dass der Erfolg nicht nur aus klarer Sicht besteht. Eine Versorgung sollte auch nach mehreren Stunden kontrolliert werden. Die Auflagezone muss zur tatsächlichen Augenform passen. Und bei Risikopatienten sollte die augenärztliche Kontrolle von Augeninnendruck, Sehnerv und OCT-Verlauf mitgedacht werden.

Das ist kein Argument gegen Sklerallinsen. Es ist ein Argument für eine präzise Anpassung.

Fazit

Die 2026 veröffentlichte Studie zeigt bei gesunden jungen Erwachsenen einen vorübergehenden Anstieg des gemessenen Augeninnendrucks während acht Stunden Sklerallinsentragen. Gleichzeitig wurden kleine, reversible OCT-Veränderungen an der peripapillären Nervenfaserschicht beobachtet.

Diese Befunde sind nicht als Nachweis eines dauerhaften Schadens zu verstehen. Sie zeigen aber, dass Sklerallinsen physiologisch relevante Effekte haben können und dass Verlaufskontrollen besonders bei Risikopatienten sinnvoll sind.

Für die Praxis heißt das: Sklerallinsen sollten individuell angepasst, nach Tragezeit kontrolliert und bei augenärztlichen Risikofaktoren gemeinsam mit der behandelnden Augenärztin oder dem behandelnden Augenarzt begleitet werden.

Weiterführend: OCT-Kontrolle bei Sklerallinsen · Informationen für Augenärzte und Kliniken · Sklerallinsen bei Keratokonus · Ablauf einer Sklerallinsenanpassung

Quelle

Dhungel P, Alanazi MK, Caroline P, Yudcovitch L, Liu M. Short-Term Impact of Scleral Lens Wear on Intraocular Pressure and Retinal Nerve Fiber Layer Thickness. Life (Basel). 2026;16(7):1094. DOI: 10.3390/life16071094.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er ersetzt weder eine individuelle Sklerallinsenkontrolle noch eine augenärztliche Untersuchung, insbesondere nicht bei erhöhtem Augeninnendruck, Glaukomverdacht oder bekanntem Glaukom.